Warum Kinder neues Essen erst 10–15 Mal probieren müssen
- Tino
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

„Das mag ich nicht!“ – ein Satz, den fast alle Eltern kennen. Ein einziger Bissen Brokkoli, Paprika oder ein neues Gericht reicht oft aus, und das Urteil steht fest.
Das kann frustrierend sein – besonders dann, wenn man sich Mühe gegeben hat, etwas Gesundes auf den Teller zu bringen.
👉 Die gute Nachricht: Ablehnung bedeutet nicht, dass dein Kind dieses Lebensmittel niemals mögen wird.
Geschmack ist nichts Angeborenes – er entwickelt sich
Kinder kommen nicht mit festen Geschmacksvorlieben auf die Welt. Ihr Geschmackssinn entwickelt sich durch Wiederholung und Erfahrung.
Studien zeigen:👉 Kinder müssen ein neues Lebensmittel 10 bis 15 Mal sehen, riechen oder probieren, bevor sie es akzeptieren oder mögen. Das bedeutet:
Ein einmaliges Probieren reicht nicht
Ablehnung ist Teil des Lernprozesses
Dein Kind scheitert nicht – es lernt
Gerade Gemüse, das oft bitterer schmeckt als Süßes, braucht Zeit.
Warum lehnen Kinder neues Essen zuerst ab?
Für Kinder ist Neues erst einmal ungewohnt. Das Gehirn reagiert vorsichtig – evolutionär sogar sinnvoll. Diese natürliche Vorsicht nennt man Neophobie (Angst vor Neuem).
Häufige Gründe für Ablehnung:
ungewohnter Geschmack oder Konsistenz
neue Farbe oder Geruch
negative Erfahrungen (Druck, Zwang)
Müdigkeit oder Überforderung
👉 Wichtig: Das hat nichts mit Sturheit oder Undankbarkeit zu tun.
Sehen, riechen, anfassen – auch das zählt als Kontakt
Probieren heißt nicht immer essen.
Schon das:
Anschauen
Anfassen
Riechen
Mithelfen beim Kochen
zählt als wertvoller Kontakt mit dem Lebensmittel.
Vielleicht hast du beobachtet, dass dein Kind:
Paprika schneidet
Karotten wäscht
Obst sortiert oder anrichtet
👉 All das fördert Akzeptanz – oft sogar stärker als ein erzwungener Bissen.
Mitgestalten statt nur probieren – unser Rezeptbuch
Genau hier setzt unser Rezeptbuch zum Selbstgestalten an. Es lädt Kinder ein, aktiv Teil des Koch- und Essensprozesses zu werden – ganz ohne Druck.
Kinder können:
eigene Rezeptideen malen oder aufschreiben
Lieblingszutaten eintragen
neue Lebensmittel kennenlernen
persönliche Lieblingsrezepte sammeln
So wird aus:
„Ich mag das nicht“--> „Das ist mein Rezept – das habe ich gemacht.“
Druck bremst – Vertrauen fördert Offenheit
Sätze wie:
„Probier wenigstens einen Bissen“
„Du musst das essen“
„Sonst gibt es nichts anderes“
meinen es gut – bewirken aber oft das Gegenteil. Druck verknüpft Essen mit Stress, und Stress blockiert Neugier. Hilfreicher sind:
Vorleben (selbst essen & genießen)
neutrale Angebote („Das liegt heute auf deinem Teller“)
Entscheidungsfreiheit
Farben, Formen & Freiheit – was wirklich Appetit macht
Kinder reagieren stärker auf das Wie als auf das Was.
In unserem Beitrag👉 „Was bei Kindern wirklich Appetit weckt: Farben, Formen, Freiheit“
zeigen wir, warum:
bunte Teller neugierig machen
unterschiedliche Formen zum Entdecken einladen
Freiheit beim Essen Offenheit fördert
Jeder Versuch zählt – wirklich jeder
Wenn dein Kind heute ablehnt, ist das kein Rückschritt, sondern ein weiterer Kontaktpunkt.
Vielleicht:
wird es beim 5. Mal neugierig
probiert beim 10. Mal
mag es beim 15. Mal
Und manchmal dauert es länger – auch das ist völlig okay.
Was du dir (und deinem Kind) merken darfst
Geschmack ist lernbar
Wiederholung ist Entwicklung
Ablehnung ist kein Scheitern
Geduld ist ein Geschenk
Zum Schluss
Auch ich kenne diese Momente: Das liebevoll gekochte Essen bleibt unberührt, und man fragt sich: „Mache ich etwas falsch?“
Die Antwort ist: Nein.
Unsere Aufgabe ist es nicht, Kinder zu zwingen – sondern ihnen immer wieder spielerische Begegnungen mit Lebensmitteln zu ermöglichen.
Liebe Grüße aus dem Knabbergarten, Eure Nadja
❓ Warum müssen Kinder neues Essen so oft probieren?
Kinder brauchen Wiederholungen, um Geschmack, Geruch und Konsistenz kennenzulernen. Studien zeigen, dass 10–15 Kontakte normal sind.
❓ Ist es schlimm, wenn mein Kind neues Essen ablehnt?
Nein. Ablehnung ist Teil des Lernprozesses und bedeutet nicht, dass dein Kind das Lebensmittel nie mögen wird.
❓ Zählt Anfassen oder Riechen auch als Probieren?
Ja. Sehen, riechen, anfassen oder beim Kochen helfen sind wichtige Schritte zur Akzeptanz.
❓ Sollte ich mein Kind zum Probieren zwingen?
Nein. Druck kann Ablehnung verstärken. Vertrauen, Vorleben und Freiheit fördern Offenheit deutlich besser.
❓ Wie kann ich mein Kind spielerisch an neues Essen heranführen?
Durch gemeinsames Kochen, Mitgestalten, bunte Teller und kreative Elemente wie ein Rezeptbuch zum Selbstgestalten.

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